Ein Artikel über den SEV Düren-Aachen in der Presse vom 18.07.2015

Ersatzbusse „zu schnell, zu voll, zu heiß“

Pendelverkehr zwischen Aachen und Düren: Klagen über zu hohes Tempo und Gedränge. Aachener Unfallanalytiker warnt.


Kein Vergnügen: Fahrgäste, die derzeit den Schienenersatzverkehr zwischen Aachen und Köln nutzen müssen, klagen über Gedränge in den Bussen und zu hohes Tempo auf der Autobahn. Foto: Michael Jaspers
Von Katrin Fuhrmann
Aachen/Düren. Seit drei Wochen ist die Bahnstrecke zwischen Aachen und Düren gesperrt. Für Pendler hat die Deutsche Bahn seitdem einen Schienenersatzverkehr mit Linienbussen eingerichtet. Die Busse nehmen die Strecke über die Autobahn, doch die Nutzer klagen, dass sie zum Teil schneller als erlaubt führen und häufig überfüllt seien. Viele Pendler empfinden die halbstündige Fahrt als Zumutung. Sie klagen über Gedränge, fehlende Sitzplätze, Fahrräder, die in den Bussen transportiert werden und unerträgliche Hitze bei den derzeit heißen Temperaturen.

Die Busfahrt erscheint vielen Pendlern insgesamt als extrem unsicher und sie müssen mehr Zeit einplanen: „Normalerweise brauche ich von meinem Zuhause bis zu meiner Arbeitsstelle nach Köln gute 75 Minuten. Momentan bin ich zwei Stunden unterwegs. Das ist schon anstrengend“, sagt eine junge Frau. Besonders im Berufsverkehr sei der Bus überfüllt. Man müsse sich „quetschen“ und habe nicht genügend Platz. Am Wochenende sei es „die reinste Katastrophe“.

Verstehen kann die Aachenerin zudem nicht, warum sogar zu den Stoßzeiten Fahrräder mit in die Busse genommen werden dürfen. Das habe zur Folge, dass es noch enger in dem Bus sei, der dann kaum noch Passagiere aufnehmen kann. Sie habe auch schon Momente erlebt, in denen es auf der Autobahn beinahe zu einem Unfall gekommen wäre. Manchmal habe sie bei der Fahrt ein regelrecht „mulmiges Gefühl“. Der Bus sei ja meistens viel zu schnell, bremse abrupt und mache selbst vor Überholmanövern nicht Halt.

Für den Aachener Unfallanalytiker Werner Möhler ist die Situation „absolut indiskutabel“. Generell betrachte er den Einsatz von Linienbussen auf der Autobahn kritisch. Die Passagiere in Linienbussen müssten nicht angeschnallt sein. Häufig käme es aber vor, dass Fahrgäste stehen müssten. Die Stabilität sei also nicht gegeben. In Aachen habe man vor kurzem mit einigen Busfahrern einen Test gewagt, um ihnen zu verdeutlichen, wie gefährlich eine abrupte Bremsung sein kann. Die Hälfte der Fahrgäste lag nach dieser Bremsung auf dem Boden des Busses. „Dieses Beispiel hat uns gezeigt, dass viele Busfahrer gar nicht ausreichend geschult sind und nicht wissen, wie man in einer solchen Situation zu reagieren hat“, sagt Möhler. Wenn die Fahrgäste säßen, gäbe es jedoch keinen Grund zur Beunruhigung. Sobald diese aber stehen müssten, bestehe Gefahr, denn niemand würde sich die ganze Zeit an den Haltegriffen festklammern können – ein kurzes Naseputzen lässt sich schließlich nicht immer vermeiden.

Ein weiteres Problem seien die Überholmanöver. „Linienbusse dürfen mit stehenden Passagieren 60 Stundenkilometer fahren. Lkw fahren mit 89 Stundenkilometer häufig am Limit. Die Busse provozieren also ein Überholmanöver“, sagt der Unfallanalytiker. Es sei durchaus empfehlenswert, den Bus nur mit sitzenden Passagieren zu befördern. Sicherheitsbedenken gibt es also zur Genüge. „Wir können nur Empfehlungen aussprechen, was letztlich umgesetzt wird, bleibt abzuwarten“, sagt Möhler.

Aufmerksam hört man sich bei der Deutschen Bahn (DB) inzwischen die Beschwerden und Bedenken an. „Normalerweise reicht die Kapazität der Busse ja aus“, betont Dirk Pohlmann, DB-Pressesprecher NRW in Düsseldorf. 25 Busse sind zwischen Aachen und Düren im Einsatz, wobei man damit gerechnet hatte, dass 50 Prozent der Reisenden direkt nach Aachen und die anderen 50 Prozent nach Weisweiler fahren. „Inzwischen sehen wir, dass 75 Prozent der Fahrgäste den Bus nach Aachen nehmen.“

Fahrräder im vollen Bus verboten

Die grundsätzlich verbotene Fahrrad-Mitnahme in überfüllten Bussen sieht Möhler kritisch. „Da müssten die Busfahrer besser aufpassen, wir werden dazu unsere Einsatzkräfte vor Ort nochmals informieren.“ Und das Tempo-Problem kennt er gleichfalls. „Wenn alle Fahrgäste sitzen, dürfen es 80 Stundenkilometer sein, sonst nur 60 Stundenkilometer“, meint Pohlmann. „Die Fahrzeit reicht bei diesem Tempo aus. Wir müssen die Kritik an unsere Busfahrer weitergeben.“

Mit überfüllten Bussen ist, so der DB-Sprecher, in Hauptverkehrszeiten zu rechnen, aber auch bei schönem Wetter und wenn in der Ferienzeit mehr Ausflügler unterwegs sind. Er ermuntert zudem die Fahrgäste dazu, ihre Sorgen persönlich zu äußern. Und wenn die Temperaturen wieder steigen: „Nur die Hälfte der Busse sind mit einer Klimaanlage ausgestattet, so ist das leider“, sagt Pohlmann.

Zu diesem Bericht über den derzeitigen SEV zwischen Düren und Aachen, der in der Aachener Zeitung am Samstag 18.07. erschien. nimmt der Fahrgastbeirat des Kreises wie folgt Stellung:

Der Fahrgastbeirat hat die Planungen zum Ersatzverkehr zusammen mit den Stellen der DB AG und dem NVR von Anfang an kritisch und konstruktiv begleitet.
Wichtige Verbesserungen, wie beispielsweise die Nutzung der Schienenwege über Herzogenrath – Mönchengladbach nach Köln konnten eingearbeitet werden.

Die überproportionale Nutzung der Direktverkehre Düren – Aachen waren für keinen der Beteiligen absehbar. Im Nachhinein hätte man jedoch den Vergleich der Fahrzeiten des Direktbusses mit der Variante „Euregiobahn plus Bus“ stärker herausstellen und so evtl. mehr Fahrgäste in die Züge der Euregiobahn leiten können.

Aus eigenen Erfahrungen der Mitglieder des Beirates ist es nur in den ersten Tagen zu überfüllten Fahrzeugen gekommen, die Bahn hat hier schnell reagiert und mehr Fahrzeuge auf der Linie Düren – Aachen eingesetzt.

„Aus meinen täglichen Erfahrungen ist der Ersatzfahrplan stabil und es wird vor Abfahrt darauf geachtet, dass jeder Fahrgast einen Sitzplatz hat“, so Holger Filipowicz. Zwischenzeitlich wird auch auf Staugefahren am Aachener Kreuz und dem Autobahnzubringer in Düren reagiert und ggf. eine Umleitung gefahren. Allerdings stößt das System der Ersatzverkehre an Wochenenden oder bei Unregelmäßigkeiten im Bahnverkehr an seine Grenzen. Hier besteht vereinzelt nur die Möglichkeit, auch stehende Fahrgäste zu befördern und langsamer zu fahren oder die Fahrgäste auf den nächsten Takt zu verweisen.

Aus Sicht des Fahrgastbeirates sind auch die Fahrgäste zu einer Mitarbeit aufgefordert. So könnten Personen mit Gepäck und Fahrrädern den Weg über Mönchengladbach nehmen. Pendler aus Köln könnten ebenfalls Züge über Mönchengladbach nehmen, zumal entsprechende VRS-Tickets freigegeben sind.

Es ist allen Beteiligten bewusst, dass der Ersatzverkehr zu Komforteinbußen führt. Diese sind jedoch leider nicht vermeidbar und wurden in Vorfeld auf ein Minimum reduziert.

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