Neues zum Nahverkehrsplan im Kreis Düren

Schneller, effizienter und komfortabler

Diese Ziele sind im neuen Nahverkehrsplan des Kreises Düren definiert. Auf 300 Seiten werden die Rahmenbedingungen bis 2022 abgesteckt.


Bernd Böhnke (l.) und Kai Pachan.


Hereinspaziert: Der neue Nahverkehrsplan für den Kreis Düren biegt auf die Zielgerade ein. Die Planer wollen mit besseren Angeboten mehr Kunden für den ÖPNV gewinnen. Fotos: Stephan Johnen

Von Stephan Johnen

Kreis Düren. „Der öffentliche Personennahverkehr ist für viele Menschen ein Buch mit sieben Siegeln“, sagt Verkehrsplaner Kai Pachan. Das erste Mysterium ist oft schon die Bedienung des Fahrscheinautomaten. „Mit dem neuen Nahverkehrsplan wollen wir das Angebot ausbauen. Wir wollen den Zugang vereinfachen und neue Fahrgäste gewinnen“, erklärt Bernd Böhnke, Mobilitätsbeauftragter des Kreises Düren. Das klingt gut. Doch was genau ist ein Nahverkehrsplan?

Um diese Frage zu beantworten, muss Kai Pachan nicht lange überlegen. „Ein Nahverkehrsplan ist ein verwaltungsverbindlicher Rahmenplan“, sagt der Planer. Herzlichen Dank. Noch Fragen? „Ich kann es auch anders erklären“, fügt er augenzwinkernd hinzu. Im Nahverkehrsplan des Kreises Düren, der Ende 2017 in Kraft treten soll, sind alle Buslinien detailliert beschrieben. Auf 300 Seiten ist festgelegt, zwischen welchen Orten Busse unterwegs sind, wie viele Verbindungen es in einem festgelegten Zeitfenster gibt und welche Qualität beispielsweise der Fahrgast bei der Ausstattung der Busse erwarten darf. Er gibt detailliert den Rahmen vor, definiert die Standards, beispielsweise mehr Platz für Rollatoren und Fahrräder in Bussen und mehr barrierefreie Zugänge und Haltestellen. Bei der späteren Umsetzung werden Fragen wie die exakten Fahrpläne geklärt. Am 17. März beschäftigt sich der Kreistag ein letztes Mal mit der Aufstellung des Planes, an dem Bernd Böhnke und Kai Pachan seit Monaten arbeiten. Er soll fünf Jahre gültig sein.

Grundlage waren eine Analyse der bisherigen Busverbindungen, die Wünsche aus Städten und Gemeinden und eine Befragung von 22 500 Haushalten im Kreisgebiet. Gezielt wurde nach Wegeprotokollen gefragt. Welche Wege legen Menschen – vom Schüler bis zum Senior – mit welchem Verkehrsmittel aus welchem Grund zurück? Im zweiten Schritt wurden über 100 Vorschläge aus Kommunen überprüft. Sind sie mit Blick auf den ÖPNV sinnvoll – und bezahlbar? Einbezogen wurden auch neue und noch geplante Baugebiete. Es stellte sich heraus, dass sich innerhalb der vergangenen zehn Jahre viel verändert hat. Es gibt mehr Berufspendler, diese fahren häufiger Richtung Köln denn Richtung Aachen. Die Menschen sind mobiler geworden, der ÖPNV-Anteil ist von 12 auf 15 Prozent gestiegen.

„Wir brauchen einen besseren und schnelleren ÖPNV“, gibt Kai Pachan das Ziel vor. An der ursprünglichen Idee, alle Gemeinden mit neuen Schnellbuslinien an die Schienen-Knotenpunkte und Zentralorte anzubinden, halten die Planer fest. Allerdings geschieht dies nicht auf Kosten bisheriger Verbindungen. „Auf den Dörfern gibt es keine Verschlechterung“, sagt Kai Pachan.

Neue Verbindungen in der Fläche

Konzepte wie Rufbusse, Mobilitätsstationen für Car-Sharing und E-Bikes sollen behutsam eingeführt und getestet werden. „Wenn sich mehr Bedarf abzeichnet, reagieren wir“, sagt Bernd Böhnke. Gestärkt werden sollen Verbindungen zwischen Jülich und Titz, zwischen Düren, der Gemeinde Hürtgenwald und Simmerath, Nideggen und Simmerath sowie zwischen Langerwehe, Inden und Eschweiler. Die Planer rechnen damit, mindestens 2000 Pendlern den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn schmackhaft machen zu können. „Das können auch doppelt bis fünfmal so viele Neukunden werden“, schätzt Pachan. Eine stärkere Anbindung der Krankenhäuser sei noch in der Abstimmung. Neue Angebote wie Fahrten zum Indemann und Bikepark soll es auch im Freizeitverkehr geben.

Die höhere Effizienz der Schnellbuslinien beispielsweise, auf denen Busse besser ausgelastet sein sollen, sorge für Einsparungen, die das Plus an Mehrleistungen ermöglichen. Auch das Thema Jobticket soll stärker in den Fokus gerückt werden. Dazu werde das Gespräch mit den Unternehmen gesucht. Mit der Entwicklung einer Mobilitätskarte gebe es im Idealfall bald nur noch „einen Vertrag für alles“ – mit dem Ticket können Bus und Bahn ebenso genutzt werden wie Car-Sharing und Leihfahrräder. Auch digitale Informationssysteme und Apps für Smartphones gewinnen an Bedeutung. Mit wenigen Klicks sollen alle Infos zu Verbindungen abrufbar und Tickets lösbar sein.

„Auf den Dörfern gibt es keine Verschlechterung.“ Kai Pachan, Verkehrsplaner

Quelle: Dürener Zeitung v. 19.02.16

Nachgefragt:

„Auf dem richtigen Weg“

Holger Filipowicz

Wie bewertet der Fahrgastbeirat die derzeitigen Planungen?

Filipowicz: Der Nahverkehrsplan ist gut, wir können nur hoffen, dass die Ziele konsequent verfolgt werden. Es soll nicht nur eine bessere Qualität des Angebotes in Bezug auf jede einzelne Fahrt und die Haltestellen geben, sondern erstmals seit vielen Jahren auch eine nennenswerte Ausweitung der Fahrten. Manche unserer Wünsche wurden geprüft und diskutiert, können aber nicht realisiert werden, da die Wirtschaftlichkeit nicht garantiert ist. Dazu zählen bessere Angebote für Kufferath und Berzbuir und eine bessere Anbindung des Medicenters und der SWD-Zentrale an der Arnoldsweilerstraße in Düren.

Was muss der ÖPNV leisten?

Filipowicz: Es gibt einen gesellschaftlichen Wandel bei der Frage, welches Verkehrsmittel wir nutzen. In den Großstädten bleibt das Auto immer öfter stehen. Diese Welle schwappt in den ländlichen Raum über. Wir brauchen deutlich bessere und schnellere Angebote im ÖPNV. Der Nahverkehrsplan ist auf dem richtigen Weg.

Was fehlt im Plan?

Filipowicz: Ein ausdrückliches Verbot der Ganzflächenwerbung auf Bussen. Dafür kämpft der Fahrgastbeirat seit Jahren. Die Werbefläche muss genau definiert und begrenzt werden. (sj)

 

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